im gespräch

Interview mit Projektleiterin Susanne Dubs, im Juni 2009 roterstreifenjura150 Wie wurden Sie auf Plexwerk aufmerksam? Letzten Herbst wurde ich vom Institut Hyperwerk in Basel als Gastdozentin eingeladen. Voll bepackt mit Drucksachen aus dem Institut schloss ich mein erstes Gastspiel ab und liess mich auf der Heimfahrt durch das Laufental voller Neugier im Speisewagen nieder. Schnell wurde ich auf eine Zeitung aufmerksam – WerkNetz. Die zwei Bogen Zeitungspapier waren im Nu gelesen. Zu Hause angekommen, vereinbarte ich mit Mischa Schaub ein Gespräch über dieses Projekt – ich hatte die Idee, einen Bahnhof zu übernehmen. Ich sollte versuchen, ein Konzept aus meiner Sicht zu entwickeln. Es sprudelte nur so aus mir heraus. In einem ersten Schritt versuchte ich, Ideen zu Startups in Fragen zu formulieren: roterstreifenjura151 Beispiel 1 Thema Gastronomie von der Region/ für die Region – Produkte, Rezepte, Gastronomie Essen + Reisen damls und heute - wie sieht ein Kochbuch heute aus, wie hört es sich an…? - wie sieht der Laden, das Restaurant, das Hotel im Plexwerk-Bahnhof aus? - wen kann man als Partner für das Projekt gewinnen? - welche Entwicklungschancen entstehen für die Region (Produzenten, Verkäufer, Gäste und Kunden…)? - andere Projekte stellen sich vor (z.bsp. das Konzept von Vna etc…) roterstreifenjura152 Beispiel 2 Thema Migration das Fremde Menschen und ihre Geschichten - was sind die alltäglichen Probleme der Einwanderer, der Einheimischen? - wie kann man sie lösen? - wie finden sie Arbeit (andere Plexwerk-Projekte)? - Portraits: wie macht man sich gegenseitig bekannt? - was ist für beide Kulturen wichtig, was sind interessante und neue Werte für alle und wie kann man sie umsetzen? roterstreifenjura153 Beispiel 3 Handwerk in heutiger Zeit Handwerk und Design Weiterbildungen für regionale Handwerker In diesem Plexwerk-Bahnhof kann man sich inspirieren lassen, neue Techniken kennenlernen, üben, auseinandersetzen, austauschen und schliesslich ausstellen + anbieten – wie in allen anderen Plexwerk-Bahnhöfen… Vorteil: Die junge Generation lernen im Austausch fast vergessene Techniken, und angesiedelte Hersteller lernen neue Methoden zur Herstellung ihrer Produkte… roterstreifenjura154 Beispiel 4 Radio Dieser Bahnhof dient als Zentrale, die allen Plexwerk-Bahnhöfen die Gelegenheit bietet, Zwischenberichte zu senden, einem breiteren Publikum die Plexwerk-Idee vorzustellen und Produkte, Konzerte, Ideen, Fragen etc. zu diskutieren (Aufruf zur Beteiligung der Bevölkerung an Lösungsfindungsprozessen, Umfragen etc.). Reisende erfahren im Zug über Kopfhörer die neuesten Entwicklungen in den Plexwerk-Bahnhöfen.

An Ideen wird es nie fehlen! roterstreifenjura155 Inzwischen sind Sie Projektleiterin Plexwerk Jura. Was reizt Sie im Speziellen an Plexwerk? Aus meiner Sicht ist es eine einmalige Chance für ganz verschiedene Entwicklungen. • Seit 2000 lebe ich im Raum Biel. Der Jura ist ein weites Feld für sagenhafte Entdeckungen – und doch ist nur wenig davon bekannt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Plexwerk durch die nachhaltige Umnutzung von Bahnimmobilien oder leerstehenden Produktions- oder Gaststätten/ Hotels, bei vielen möglichen Partnern einige neue Impulse bringen kann – sei es im Dorf oder in der Stadt, in der Kommunikation, im Tourismus, politisch, künstlerisch, kulturell, kulinarisch, wirtschaftlich, in der Vernetzung . . . ich sehe im Jura einiges Potenzial, weil die Menschen aus meiner Sicht neugierig, offen und auch experimentierfreudig sind. Die Grenzen werden sich in alle Richtungen öffnen. • Plexwerk arbeitet am Aufbau eines Europäischen Netzwerkes von Fachhochschulen, Forschung, Medien, vieler Institutionen, Partnern aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Dieses Netzwerk wird vor allem den Fachhochschul-AbgängerInnen dienen, ihre Geschäftsideen umzusetzen und vom Netzwerk viel Wissen, Erfahrung und alle Kanäle zu nutzen. Die Begleitung dieser StartUps als eine Netzwerkerin von Plexwerk ist eine meiner Hauptmotivationen. • Von meinen langjährigen beruflichen Erfahrungen und Beziehungen als selbständige Designerin, als Dozentin und als Gemeinderätin in den Departementen Bau und Tiefbau in Evilard sollen die Startups profitieren können. • Und ich bin sicher, ich lerne vieles dazu, bleibe in Bewegung und fit! roterstreifenjura156 Wie gehen Sie vor? Nach der konzeptionellen Auseinandersetzung mit dem Projekt Plexwerk fand ich es enorm wichtig, nicht nur vom Schreibtisch aus zu denken. Bisher machte ich fünf fotografische Recherchen im Jura. Diese werde ich laufend erweitern. Dieses Auskundschaften der ausgesprochen vielfältigen Regionen im Jura ermöglicht ein erleichtertes Finden von Partnern, ich komme auf viele Ideen für Startups (siehe Recherchen), und finde heraus, wo die Geschäftsideen aus meiner Sicht fruchtbaren Boden finden können. Aus meiner Tätigkeit an der Schule für Gestaltung Biel kenne ich die hervorragende Arbeit der Lehrenden am Vorkurs Biel. Ich lud den Leiter Edi Aschwanden ein, sich mit Auszubildenden in Interventionen im Jura künstlerisch auseinander zu setzen. Im Sommer werden voraussichtlich erste Arbeiten sichtbar. Diese Arbeiten werden mir auf der Suche nach Partnern kommunikativ enorm helfen. Wir können zum Beispiel bei einzelnen Auftritten in Dörfern und Städten Aufmeksamkeit erwecken und bei der Bevölkerung, in den Medien und in Politik und Wirtschaft leicht über die Inhalte und Ziele von Plexwerk auf vielen Ebenen erzählen. Ich verstehe meine Arbeit für Plexwerk Jura auch als prototypisch für alle anderen Clusters. roterstreifenjura157 Welches sind Ihre nächsten Schritte? Plexwerk Jura ist jetzt Realität. Das Wichtigste wird sein, so schnell wie möglich die Übersetzungsarbeiten finanziert zu wissen. Dafür werde ich beim Conseil du Jura Bernois und dem Conseil des Afffaires Francophones vorsprechen. Es erscheint mir sehr wichtig, dass die Zweisprachigkeit im Plexwerk Jura exemplarisch gelebt und sichtbar wird. Ich erhoffe mir von diesen Gesprächen natürlich auch gute Verbindungen zu künftigen Partnern. Die Zusammenarbeit mit den Partnern aus Wirtschaft, Politik und Tourismus werde ich noch diesen Sommer konkretisieren. Erste Gespräche sind bereits geführt und ich merke, dass unser Projekt auf offene Ohren und grosses Interesse stösst. Da mein Französisch noch zu Wünschen übrig lässt, suche ich einen bilinguen Projektleitungs-Partner. Sobald das Netzwerk von Plexwerk Jura steht, werde ich mit der Zusammenarbeit von Fachhochschulen in der Region Jura beginnen – Plexwerk vorstellen und die Chancen für Startups aus allen Branchen sichtbar machen. Mit der Zeit ist es bestimmt wichtig, weitere Fachhochschulen aus der gesamten Westschweiz mit einzubeziehen. Ich hoffe, dass Plexwerk bald so weit parat ist, dass erste Startups im kommenden Jahr gegründet werden. Es existieren gerade im Jura viele Immobilien, die zur Zeit leer stehen und auf neues Leben und zeitgemässe Inhalte warten. Die Region wird an Attraktivität gewinnen.

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